Santa Fe, im März 2010. Am 23. Mai 2010 eröffnet im New Mexico History Museum eine neue Ausstellung: „Wild at Heart” von Ernest Thompson Seton - dem Naturschützer, Autor, Künstler, Dozenten und Mitgründer der amerikanischen Pfadfinder. Sein Einfluss auf die amerikanische Umweltschutzbewegung ist unbestritten, nur heute weitestgehend in Vergessenheit geraten. Die neue Ausstellung soll dies nun ändern.
„Wild at Heart” ist die erste große Ausstellung über Seton. Ein Großteil der Kunstwerke und Ausstellungsstücke – mehr als 30 Originalgemälde von Seton, Bücher, persönliche Erinnerungsstücke und Photographien – wurden bisher noch nie öffentlich gezeigt. Die meisten wurden von der „Academy for the Love of Learning“ und vom Philmont Museum sowie von der Seton Memorial Library auf der Philmont Ranch in Cimarron zur Verfügung gestellt.
Kurator ist der Kunsthistoriker David L. Witt, Direktor des Seton Legacy Projects der „Academy for the Love of Learning“ in Santa Fe. Die Ausstellung löst „Fashioning New Mexico” im zweiten Stock des Museums ab und läuft bis 8. Mai 2011. Das Vorwort der Ausstellungskatalogs „Ernest Thompson Seton, The Life and Legacy of an Artist and Conservationist” (Gibbs Smith, Publisher, 2010) wurde von Sir David Attenborough verfasst – bekannter britischer Tierfilmer und Naturforscher.
Begleitend zur Ausstellung finden Touren auf dem Gelände des ehemaligen Wohnsitzes von Seton statt: 13. Juni, 14. August, 9. Oktober 2010 sowie 9. April 2011 - jeweils von 10 bis 13 Uhr. Am 18. September 2010 und am 5. März 2011 gibt es zudem einen eintägigen Workshop „The Wilderness in Your Heart” von 10 bis 16 Uhr. Weitere Informationen unter www.aloveoflearning.org.
Im Herbst 2010
eröffnet die „Academy for the Love of Learning“ auf
dem Gelände die „Seton Castle Contemplative Gardens”,
die „Ernest Thompson Seton Gallery“ und ein neues,
umweltfreundliches Besucherzentrum.
Seton wurde 1860 in England geboren und wanderte im Alter
von sechs Jahren mit seiner Familie nach Kanada aus. Als
Erwachsener zog er in die Vereinigten Staaten, widmete
sich den Naturstudien und wurde so einer der wichtigsten
Experten für Tierforschung. Daneben machte er einen
Kunstabschluss und war gefragter Schriftsteller und
Illustrator.
1893 wurde Seton nach Clayton in New Mexico geschickt – sein Auftrag: Wölfe zu verfolgen und zu töten. Nach einer einprägsamen Begegnung mit einem wilden Wolf namens „Lobo“ wechselte er seine Einstellung grundlegend: er schrieb das Buch „The King of Currumpaw, A Wolf Story”, das weltweit veröffentlicht und gefeiert wurde. Daraus entwickelte sich das Genre der realistischen Tiergeschichten, die Tiere in der Wildnis portraitieren und das Verständnis der Amerikaner für die Natur grundlegend änderten: „Seton ist der Vater der heutigen Umweltschutzbewegung. Er ist maßgeblich verantwortlich für die Anfänge der Tierschutzprogramme”, sagt Kurator Witt.
1902 gründete Seton das Outdoor-Programm „Woodcraft" zur Bildung von Kindern und Jugendlichen. Daraus entwickelten sich die bekannten Sommer-Camps in den USA. 1910 war Seton dann Mitbegründer der amerikanischen Pfadfinder. „Sein Beitrag für den Umweltschutz, die Wissenschaften, die Literatur und die Jugendbildung haben Millionen von Jungen, Mädchen und ihre Familien über 100 Jahre bereichert”, erläutert Witt, ebenfalls Pfadfinder seit seiner Kindheit.
Seton war der wichtigste und technisch beste Wildlife-Illustrator seit Audubon. Seine Zeichnungen zur Vogelbestimmung beeinflussten viele Naturführer. Insgesamt schrieb Seton über 40 Bücher sowie mehr als 1.000 Magazinartikel und Kurzgeschichten. Außerdem zeichnete und malte er zirka 6.000 Kunstwerke. Sein Buch „Wild Animals I Have Known” wurde seit der Erstauflage 1898 kontinuierlich gedruckt. Der berühmte Schriftsteller Rudyard Kipling schrieb einst an Seton, dass sein Buch ihn inspiriert hätte, das „Dschungelbuch“ zu schreiben. Im Vorwort des Ausstellungskatalogs erzählt Attenborough, dass er im Alter von acht Jahren eine Ausgabe seines Buches geschenkt bekommen habe: „Ich habe es heute noch. Es war das wichtigste Buch meiner Kindheit.”
Viel von
Seton’s Naturverständnis wurde von seinen zahlreichen
und intensiven Begegnungen mit Ureinwohnern in Kanada
geprägt. Seton war klarer Befürworter der politischen
Rechte der „Native People“ und passionierter
Fürsprecher der Bewahrung ihrer Kultur, Sitten und
Geschichte.
1930 zog Seton auf eine große Ranch am Fuße der Sangre
de Cristo Mountains in der Nähe von Santa Fe, wo er bis
zu seinem Tod 1946 lebte. In seinem Haus waren auch ein
Museum, eine Bücherei, eine Kunstgallerie und ein
Vortragsraum untergebracht, die für die Öffentlichkeit
zugänglich waren. Dort etablierte Seton auch sein letztes
Bildungsprojekt, das „College of Indian Wisdom“ –
später das „Seton Institute“. Die Kurse befassten
sich mit Kunst, Handwerk und Kultur der Native People. Die
„Academy for the Love of Learning” rief das Seton
Legacy Project ins Leben, nachdem sie das Haus von Seton
und seine Kunstsammlung 2003 kauften. 2005 wurde das Haus
durch ein Feuer zerstört.
Zu den Mitgliedern des Seton Legacy Projects gehören Familienmitglieder, Historiker und andere Interessierte wie zum Beispiel David L. Witt, der Museumskurator, der auch Schriftsteller und Historiker ist, und sich seit mehr als 35 Jahren um das Erbe von Seton kümmert. Er unterstützte auch die Fernseh-Reportage von BBC/PBS Nature Television namens „Lobo, The Wolf That Changed America“, die 2008 in den USA und Großbritannien ausgestrahlt wurde.
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